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Meine Philosophie

Es gibt eine „Rhythmische Instanz“, die ganz einfach „stimmt“.

Bei all den unendlichen Möglichkeiten, die wir auf unserem Instrument haben, für alle Tempi, für jede Lautstärke, für alle Notenwerte, für alle Tempowechsel, für alle Improvisationen – diese Instanz begleitet alles und ist für alles ausschlaggebend. Ob wir laid back spielen oder bewusst treiben, ob wir ein Solo hinpowern oder Pausen zählen – es gibt ein rhythmisches Kraftfeld, das für alles und für alle Situationen zuständig ist und eine natürliche Autorität besitzt.

Es ist das „gewisse Etwas“, was den guten Musiker, der eher zurückhaltend und wenig spielt, dich aber trotzdem mitreißt, unterscheidet von dem, der viel herumwirbelt – vielleicht schon einfallsreich und technisch gut – dich aber trotzdem eher langweilt. Höchstes Anliegen in meinen Kursen ist es, dich auf dieses „gewisse Etwas“ immer und immer wieder hinzuweisen. Es reicht leider nicht, nur „so drauflos“, ohne Plan zu spielen. Du solltest verstehen lernen, dass alles, was wir spielen, eine Aussage hat und Sinn ergeben sollte. Ohne Plan zu spielen, klingt wie: „In mir ist es unaufgeräumt“. Bündeln wir hingegen unsere Gedanken auf unsere Schläge und zentrieren alle Schläge auf eine exakte Ausrichtung, entsteht unweigerlich ein „Strahl“, ein unsichtbarer, aber deutlich spürbarer innerer Kern.

Aus diesem Grunde ist diese Spielweise auch erlernbar und stellt einen spezifischen roten Faden in meinen Kursen dar.

Wir bekommen in unseren Schlägen eine deutliche Führung, unerzwungene Wucht und natürliche Zielgerichtetheit. Es entstehen verlässliche Bahnen, an denen wir uns orientieren und festhalten können, obwohl wir die Bewegung selbst loslassen. An dieser Stelle entsteht machtvolle Natürlichkeit, Kraft ohne Muskeln, Intensität ohne Anstrengung und wir erleben die „Dimension Zeit“ in ihrer wahren Natur.

Timing wird zum „räumlichen Ereignis“ und wir beginnen zu begreifen, dass sich Zeit durch den Raum hindurch darstellt und beides fest ineinander greift.

Über die Stockspitze oder am Cajon mit unseren Händen, sind wir mit dem Instrument verbunden und befinden uns definitiv „IN der Zeit“, mit anderen Worten: Wir sind durch räumliche Komponenten direkt mit der Zeit verbunden, die sich über den Raum aus sich selbst heraus und auf ihre spezifische vollkommene Art offenbart, ohne dass wir bemüht sein müssen, unser Timing selbst zu machen, was generell unsere alte Spielweise war.

Das neue Spielverhalten hingegen ist davon gekennzeichnet, dass wir von der Dimension Zeit geführt werden.

Somit transparenter und logischer spielen, wenn wir „IN der Zeit“ sind. Dieses „Drinsein“ und Verbundensein mit einem ganz genauen, winzigen Punkt in der unendlichen rhythmischen Palette ist bereits unsere Instanz, die entscheidet, ob es gut und richtig oder schlecht und falsch klingt. Das gewisse „Drinsein“ und „Drinbleiben“ ist wie eine Gratwanderung auf einer senkrecht stehenden Rasierklinge und gibt eben genau diese Konturen im Spiel zu spüren. In diesem Bewusstsein zu spielen, heißt unweigerlich zu der Feststellung zu kommen: Entweder ich bin drin und stimmig, oder ich bin gerade „rausgeflogen“, oder ich war von Anfang an noch nicht drin. Dieses Bewusstsein ist auf alles anwendbar und führt in allen Bereichen zu einem natürlich vorgegebenen, vollkommenen Ziel. Der Kopf wird frei, wir kommen in Kontakt mit unseren Instinkten wie Intuition und Ideen, lassen unserer Kreativität freien Lauf und geben dem Gefühl Raum. 

Es ist wichtig zu verstehen, dass es jeweils nur eine (neutrale) Art von bestimmten rhythmischen Notenwerten wie z.B. Sechzehntel gibt, auch nur eine Art von Triolen, eine Art von Achteln und so weiter. 

Das Ziel ist es, zu Anfang Dich in eine Art makelloses rhythmisches Grundraster zu bringen, wo innerhalb deiner Bewegungen einfach nur ein natürlicher, neutraler und ungezwungener „Pingpong-Effekt“ herrscht. Diesen kann man sich recht schnell erschließen, wenn man bewusst seine zielgerichtete Kraft zuerst einmal aus dem Spiel komplett heraus hält, die Schlagbewegung einer einzelnen Hand in ein perfektes Verhältnis zum Rebound setzt und daran arbeitet, dass beide Energien den Stick perfekt „austarieren“ und wie eine Waage ins natürliche Gleichgewicht bringen.

Hier entsteht beim Schüler oftmals die erste Erfahrung für die oben erwähnten Phänomene einer natürlichen Leichtigkeit, Genauigkeit und Intensität.

Mit etwas Übung erkennt man daraufhin schnell, dass Intensität auch ohne Kraft herstellbar ist und dadurch sogar noch besser wahrgenommen werden kann. Diese erste Genauigkeit, die aus dieser natürlichen Balance heraus entsteht, kann anschließend durch eigenes Zutun nach Belieben treibend oder schleppend gestaltet, mit allen weiteren musikalischen Ausdrucksformen wie z.B. Akzenten, Dynamik usw. versehen, und wenn man seiner selbst sicher ist, auch noch mit Kraft getoppt werden. 

Der Ablauf eines Jahres besitzt genauso Regelmäßigkeit und Wiederkehr wie der Ablauf eines Tages in seinem speziellen „Groove“: Der Tag ist wie ein Downbeat mit rechts, die Nacht ist wie ein Upbeat mit links! Der focus ist also das Fenster zum unsichtbaren, neben uns her existierenden natürlichen rhythmischen Pulsieren zu finden, in welchem alle Notenwerte in allen Tempi zur selben Zeit nebeneinander her existieren…